19.10.2009 - Exkursion und Podiumsdiskussion der wib: "Wasserrahmenrichtlinie zum Anfassen" - Das Groveprojekt

oder: „Wer Gutes tut, sollte auch darüber reden“

Um eben das zu tun: um über eine vorbildliche Maßnahme zur Gewässerentwicklung zu reden und sie der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen, lud die wib am 19.10.2009 nach Beverstedt, in den Landkreis Cuxhaven, ein. (>> Übersichtskarte). Die etwa 30 Teilnehmer informierten sich zunächst direkt am Gewässer über das Gemeinschaftsprojekt vom Landesfischereiverband Weser-Ems e.V, Unterhaltungsverband Nr. 82 Geeste und BUND Regionalverband Unterweser e.V. Durch den gezielten Einbau von Kiesbänken wurde hier ein strukturell verarmtes Gewässer ökologisch aufgewertet. Der Erfolg zeigt sich eindrucksvoll in der Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Meerforelle (s. Projekt-Flyer am Ende der Seite).

In der anschließenden Veranstaltung erläuterten Herr Dr. Salva (Landesfischereiverband Weser-Ems e.V.) und Herr Stöer (Kreisverband der WBV  im Altkreis Wesermünde) Hintergründe und Verlauf des Projektes. In einer angeregten Diskussion - nicht nur des Podiums - wurden Erfolgsfaktoren und Hemmnisse von Gewässerentwicklungsmaßnahmen, Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit und Möglichkeiten der Finanzierung erörtert.  

Den Projekt-Flyer, die Presseberichte und eine Präsentation der Veranstaltung finden Sie am Ende dieser Seite.

 
 

Herr Dr. Salva erläutert die Strukturverbesserungsmaßnahmen an der Grove

Die Grove: durch die Maßnahme wurden vielfältige Lebensräume geschaffen. Auch die bis zu 75 cm große Meerforelle konnte wiederangesiedelt werden.

  Podiumsdiskussion (v.li.: Herr Borgwart, Gemeinde Schiffdorf, Umweltamt/ Herr Voigts, Bürgermeister der SG Beverstedt/ Herr Dr. Salva,  Landesfischereiverband Weser-Ems e.V./ Herr Ströer, Kreisverband der WBV im Altkreis Wesermünde/ Frau Dr. Flasche, Kommunale Umwelt-AktioN/ Herr Wortmeyer, LK Cuxhaven, Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft/ Frau Neumann, NLWKN Brake-Oldenburg/ Herr Wöhler, Nds. Ministerium für Umwelt und Klimaschutz)

Die Erfolgsfaktoren des Grove-Projektes:

„Best Practice“ – eine den Gegebenheiten angepasste, intelligente Konzeption
Wo für einen veränderten Gewässerverlauf keine Akzeptanz oder/und keine Flächen zur Verfügung standen, wurde im „Instream-Verfahren“ vorgegangen: der Kies wurde so eingebracht, dass Laichhabitate geschaffen und die Sohlstruktur verbessert wurde, ohne äußere Veränderung am Gewässer vorzunehmen.
An anderen Stellen hingegen, wo sich die angrenzenden Flächen im Eigentum der Gemeinde befanden, wurde eine eigendynamische Gewässerentwicklung zugelassen. Mit dem eingebauten Kies wurde die Strömung  bewusst verändert, so dass die Grove an diesen Stellen ihr begradigtes Bett verlässt und allmählich wieder einen natürlichen, mäandrierenden Verlauf nimmt.

Gemeinschaftsprojekt mit Fachkompetenz
Das gemeinsame Vorgehen von Fischerei, Unterhaltungsverband und Naturschutz war der Maßnahme sehr förderlich. Überzeugungs- und Handarbeit waren auf viele Schultern verteilt. Bei der vorhandenen Fachkompetenz konnten Planung und Ausführung in Eigenregie durchgeführt werden.

Frühzeitige Einbeziehung der Anlieger - vorbildliche Abstimmungsprozesse
Durch mehrere Termine wurden die Eigentümer der angrenzenden Flächen frühzeitig einbezogen. Grundlegende Überzeugungsarbeit wurde geleistet, Bedenken ernst genommen und - im Einzelfall auch durch praktische Demonstration am Gewässer – entkräftet.

Positive Auswirkungen auf die Gewässerunterhaltung
Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Revitalisierungen würden zwangsläufig einen höheren Aufwand und höhere Kosten bei der Gewässerunterhaltung nach sich ziehen, zeigt dieses Beispiel, dass auch der gegenteilige Effekt möglich ist: durch die Stabilisierung der Sohle konnte der Unterhaltungsaufwand reduziert werden. Zudem leisten die Fische kontinuierliche „Reinigungsarbeit“ im Kiesbett, so dass ein erneutes Verschlammen nicht zu befürchten ist und sehr gute Voraussetzungen für einen langfristigen Erfolg der Maßnahme bestehen.

FFH-Gebiet mit Aussicht auf große Fische
Die Notwendigkeit von Gewässerentwicklungsmaßnahmen ist häufig schwer zu vermitteln. Für die Genehmigung und Akzeptanz einer Maßnahme ist es oftmals hilfreich, die Wichtigkeit mit dem Hinweis auf ein vorhandenes FFH-Gebiet und die angestrebte Wiederansiedlung vom Aussterben bedrohter Arten untermauern zu können. Auch wenn Fachleuten klar ist, dass auch andere Maßnahmen höchst sinnvoll und unterstützenswert sind: lebendige, sichtbare Erfolge beeindrucken Menschen nun einmal am meisten - zumal wenn sie so spektakulär sind, wie die ausgewachsenen Meerforellen. 

Schnelle Verwaltung - vollständige Finanzierung
Die unbürokratische und vollständige Finanzierung (aus Mitteln der Gebietskooperation), ohne den sonst üblichen Eigenanteil von mindestens 10%, war nach Aussage der Beteiligten entscheidende Voraussetzung für die Umsetzung der Maßnahme. Zudem führten die guten Abstimmungsprozesse und intensiven Arbeiten im Vorfeld zu einer sehr schnellen Plangenehmigung.

 

   
Hier wird eine eigendynamische Gewässerentwicklung initiiert   Hier wird eine eigendynamische Gewässerentwicklung bestaunt.

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Weitere Informationen zum Projekt und zur Veranstaltung:

Flyer_Grove-Projekt
Stand: 9.10.2009
1662.56kb
Grove ist ein Vorzeigeprojekt - Zeitungsartikel von Gerd Wöhlecke (Nordsee-Zeitung), Vorankündigung
Stand: 28.10.2009
535.83kb
Thema des Tages: Die kleine Grove kommt als Umweltprojekt ganz groß raus - div. Zeitungsartikel von Gerd Wöhlecke und Simon Weber (Nordsee-Zeitung)
Stand: 28.10.2009
681.79kb
Präsentation zum Groveprojekt - Dr.Salva (Landesfischereiverband Weser-Ems e.V.)
Stand: 27.10.2009
5397.85kb
Fische als Reinigungskräfte. Kleines Gewässer wird wiederbelebt - Zeitungsartikel von Jürgen Peters (Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung)
Stand: 2.12.2009
1018.62kb